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Windlastzonen Schweiz
Die massgebende Norm
Für Bauwerke in der Schweiz regelt die Norm SIA 261 «Einwirkungen auf Tragwerke», mit welchem Winddruck zu rechnen ist. Sie enthält dafür eine Karte, die jedem Ort einen Staudruck zuordnet — den sogenannten Basiswinddruck, angegeben in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²).
Dieser Wert ist der Ausgangspunkt jeder Bemessung. Auf ihn werden Beiwerte für Geländekategorie, Höhe über Grund und Bauteilform angewendet.
Die Spannweite in der Schweiz
Die Werte reichen von 0,9 kN/m² bis 3,3 kN/m² — der höchste Wert ist also fast das Vierfache des niedrigsten. Grob verteilt:
| Region | typischer Staudruck |
|---|---|
| Mittelland, geschützte Lagen | 0,9 kN/m² |
| Übergangslagen, Voralpen | 1,1–1,3 kN/m² |
| Jura, exponiert | bis 2,4 kN/m² |
| Alpenraum | 1,1–3,3 kN/m², stark ortsabhängig |
Massgebend ist immer der Wert für den konkreten Ort, nicht der Regionaldurchschnitt. Innerhalb weniger Kilometer kann sich der Wert deutlich ändern — besonders im Alpenraum, wo Tallagen und Kammlagen weit auseinanderliegen.
Den ortsgenauen Wert liefern die Kartenwerke zur SIA 261 sowie Windlast-Rechner verschiedener Anbieter.
Was das praktisch bedeutet
Derselbe Mast mit derselben Fahne erfährt an einem exponierten Jurastandort rund die zweieinhalbfache Last wie im geschützten Mittelland. Das ist kein Sicherheitszuschlag, sondern ein realer Unterschied in der Beanspruchung.
Für die Planung folgt daraus:
Im Mittelland sind die üblichen Masthöhen mit den üblichen Fahnengrössen unproblematisch, sofern Fundament und Bemessung stimmen.
In exponierten Lagen ist fast immer die richtige Antwort: eine Stufe kürzer oder eine Stufe kleiner. Ein 8-Meter-Mast mit einer 150 × 150 Fahne statt eines 10-Meter-Masts mit 200 × 200 bringt dieselbe Wirkung bei deutlich geringerem Risiko — und die Fahne hält erheblich länger.
Im Alpenraum und in allen Lagen ab etwa 1,4 kN/m² gehört die Bemessung in Fachhände. Hier reichen Faustregeln nicht mehr.
Die Geländekategorie
Neben dem Staudruck spielt die Umgebung eine Rolle. Vereinfacht:
- Offenes Gelände ohne Bewuchs und Bebauung — volle Anströmung, ungünstigster Fall.
- Ländliches Gebiet mit Streubebauung und Baumbestand — abgeminderte Anströmung.
- Vorstadt und Wohngebiet — deutlich reduzierte Bodennähe-Geschwindigkeit.
- Stadtzentrum — grundsätzlich geschützt, aber mit örtlichen Düseneffekten zwischen Gebäuden, die den Vorteil aufheben können.
Ein Mast an einem freien Feldrand ist stärker beansprucht als derselbe Mast im Siedlungsgebiet, auch bei gleichem Kartenwert.
Örtliche Verschärfungen
Die Karte gibt den grossräumigen Wert. Verschärfend wirken vor Ort:
- Anhöhen und Kuppen — die Strömung beschleunigt über der Erhebung
- See- und Flussufer — keine Bodenrauheit über der Wasserfläche
- Talwinde und regelmässige Föhnlagen
- Gebäudekanten, Hofdurchfahrten, Häuserschluchten
- Standorte über Dachkanten
Grenze dieser Angaben
Die Werte hier dienen der Orientierung in der Planungsphase. Ein statischer Nachweis nach SIA 261 ist erforderlich bei Grossmasten, bei Montage auf Bauwerken, in exponierten Lagen und überall dort, wo ein umstürzender Mast Personen oder Verkehr gefährden könnte. Auch die Baubewilligung verlangt ihn häufig.
